Umberto Eco

Umberto Eco ist Schriftsteller, Medientheoretiker, Sprachphilosoph, Mitbegründer der Semiotik und Italiens populärster Intellektueller.

Seine Romane zeichnen sich durch die Verflechtung von historischen Begebenheiten mit Erfundenen Geschehnissen und Personen, seine theoretischen Texte durch philosophische und theoretische Brillianz und Humor, aus.

Er wurde 1932 als Sohn kleinbürgerlicher Eltern in Alessandria, Italien, geboren. Entgegen den Ansprüchen seines Vaters, sein Sohn müsse Jura studieren, studierte Umberto Eco Philosophie und Literaturgeschichte an der Universität Turin.

Danach arbeitete er zunächst bei Fernsehsendern und Verlagen, bevor ihm schließlich mit seinem Werk „Opera Aperta“ der Durchbruch als anerkannter Theoretiker gelang. Dieser Erfolg als Theoretiker brachte ihm Professuren für Ästhetik und visuelle Kommunikation an den Universitäten in Mailand, Florenz und Bologna ein. Nachdem er 1968 sein Werk „Einführung in die Semiotik“ veröffentlicht hatte, wurde er 1971 Professor für Semiotik an der Universität Bologna und lehrte das Fach dort bis 2007.

Weltweite Popularität erlangte er 1980 mit seinem Roman „Der Name der Rose“ und 1988 mit dem Roman „Das Foucaultsche Pendel“, welche beide in alle Weltsprechen übersetzt wurden.
Als öffentlicher Berlusconi-Gegner hat er die Vereinigung „Freiheit und Gerechtigkeit“, die für Demokratie, eine linke Regierung und gegen die Rechten, sprich (bis 2012) den vulgären und nur für eigene Interessen Politik machenden Berlusconi kämpft (2012 wurde Berlusconi abgewählt, d.h. er ist als direkter politischer Gegner nicht mehr ansprechbar und angreifbar), gegründet. Als überzeugter Linker klagt er aber auch die linken Politiker an, keinen wirklichen Gegenpol zu bilden und schwach zu sein.
Alle vierzehn Tage erscheint im „L’Espresso“ ein Artikel Ecos, in dem er sich kritisch zum jeweiligen Zeitgeschehen äußert.
Bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr ist er im italienischen Faschismus aufgewachsen. Eine Zeit, die in vermutlich sehr geprägt hat und ihn zu einem entschiedenen Linken, der Antisemitismus und Faschismus grundsätzlich ablehnt, gemacht hat. Auch diese Prägung verarbeitet er in seinen Romanen.
Geprägt durch sein katholisches Elternhaus war Eco als Kind sehr religiös. Eine Nachbarin beschreibt, er sei jeden morgen vor der Schule zu Kommunion gegangen, irgendwann, im jungen Erwachsenenalter habe er sich jedoch von der Religion abgewandt. Und heute sagt er, Ethik stehe nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit Religion (religiöse Menschen haben schlimme Verbrechen im Namen Gottes begangen, während nicht gläubige für andere ihr Leben ließen), sondern es gehe um das Zusammenleben mit anderen, darum, in diesem Zusammenleben entscheiden zu können, was dem gemeinsamen Leben gut tut und was nicht und was man im Zusammenleben tun könne und was nicht.

 

Als er „Der Name der Rose“ schrieb, wollte er eigentlich nur eine Geschichte erzählen, die aufgrund seiner Kenntnis über Bücher und das Mittelalter von diesen Themen handeln sollte. Später wurden jedoch sämtliche philosophische Aussagen in seinen Text hineininterpretiert und in ihm entdeckt, von denen er beim Schreiben gar nicht die Absicht gehabt habe, sie zu behandeln.

In dem Roman geht es unter anderem um das menschliche Lachen. Er hatte schon häufiger darüber nachgedacht einen Text über die Ästhetik des menschlichen Lachens zu schreiben, in dem es auch darum gehen sollte, warum es dem Menschen als einziges Tier gegeben sei, zu lachen, sei es aus Freude, Wut, Satire usw. Er habe es jedoch nie gewagt, das Problem anzugehen, da es ihm zu komplex erschien. Doch ohne es zu merken, brachte er es in „Der Name der Rose“ mit ein. Warum also ist dem Menschen als einziges Lebewesen das Lachen gegeben? Er kommt zu dem Schluss, dass der Mensch lache, weil er sich ebenfalls als einziges Lebewesen darüber im Klaren sei, dass er sterben muss. Und die einzige zutiefst menschliche Möglichkeit, sich damit abzufinden, sei, darüber zu lachen. („Ich denke, der Mensch ist zum Lachen gekommen, da er weiß, dass er sterben muss.“)
In seinem neuesten Roman „Der Friedhof in Prag“ (2010) behandelt er die Themen „Fälschungen“ und „Verschwörungstheorien“, die ihn schon sein Leben lang sehr interessieren und mit denen er sich intensiv auseinandergesetzt hat und immer noch auseinandersetzt.
Es geht um den schamlosen Fälscher Simon Simonini, der im 19. Jahrhundert lebt und unzählige Dokumente fälscht. Unter anderem die „Protokolle der Weisen von Zion“, die besagen, die Juden wollten die Weltherrschaft übernehmen. Er hat Simonini mit Absicht besonders widerlich und abscheulich dargestellt, damit dem Leser keine Möglichkeit geboten werde, mit ihm zu sympathisieren.
Laut Eco ist alles, was er in diesem Roman erwähnt, wahr und historisch belegt, die einzige erfundene Figur sei der Protagonist selbst.

Er ist Bücherliebhaber, bzw. sammelt Bücher, sodass sich im Laufe der Zeit eine ganze Bibliothek bestehend aus fünfzigtausend Büchern entwickelt hat. Seine besondere Vorliebe gilt Büchern, die Fälschungen sind, die lügen. Auch das Verhalten des Lügens interessiert ihn und er bezeichnet es als „ziemlich dekadent“, zu lügen.
Eine weitere seiner Leidenschaften sind Listen. 2009 kuratierte er im Louvre eine Ausstellung zum Thema „Die unendliche Liste“, zu der ebenfalls ein Bilder- und Textband erschien. Er liebe Einkaufslisten, so wie andere Fußball oder, nun ja, die Pädophilie liebten. Und der Mensch an sich liebe Listen, da er nicht gern sterben wolle. Eine Liste sei unendlich, man könne sie immer weiterführen und in jedem Lebensbereich, in der Historik und auch überall in der Kunst seien Listen zu finden, das habe er bei der Recherche für die Ausstellung bemerkt: in antiken Schlachtengemälden, in Warhols Reihe von Dosen, bei Kant, der die unendliche Zahl der Sterne am Nachthimmel über sich beschreibt, bei Homer, der, da er unfähig ist, die bedrohliche Zahl der griechischen Soldaten zu nennen, eine Liste mit sämtlichen Rängen und Namen erstellt und damit versucht, sich an die Zahl heranzutasten.
Man müsse zwischen praktischen, endlichen Listen, das seien Listen mit Dingen, die wirklich existieren, wie z.B. das Telefonbuch, und literarischen, unendlichen Listen, die nur um der Liste willen z.B. in Romanen gemacht wurden, unterscheiden. Das Internet sei zum einen eine praktische, endliche Liste, da es vorhandene Dinge aufzählt bzw. widergibt. Zum anderen sei es aber auch eine literarische unendliche Liste, da immer neue Seiten dazukämen, man also unendlich weitersurfen könne und da viele unwahre, erfundene Inhalte in ihm ständen. Das Internet sei aufgrund seiner Größe und Unendlichkeit schwindelerregend und beängstigend, aber gleichzeitig nützlich; Eco vergleicht es mit einem Auto: Er wolle zwar damit fahren, aber nicht überfahren werden; man solle es nutzen, wann man es braucht, doch man müsse aufpassen, sich nicht davon töten zu lassen, müsse aufpassen, sich immer wieder davon losreißen zu können.
Listen gäben ein Gefühl der Erhabenheit, da man sich beispielsweise gegenüber der unendlichen Zahl der Sterne winzig klein und unwichtig vorkäme.
Wissen sei nicht lückenlos, es werde immer etwas geben, was wir nicht wissen. Und selbst, wenn man sich einer Sache hundertprozentig sicher sei, müsse man immer noch nach Belegen suchen, die sie widerlegen würden.

Er habe angefangen, sich mit der Semiotik zu beschäftigen, da er vor allem ästhetische Interessen hatte und sich für die Massenmedien interessierte. Die Semiotik vereinige all diese verschiedenen Aspekte der Kommunikation und biete als einzige Wissenschaft die Möglichkeit, diese zu erklären bzw. zu behandeln.
Semiotik sei sehr komplex und sei nicht in zehn Minuten zu erklären, sondern brauche mindestens die dreißig Jahre, die auch er während seiner Zeit als Professor für Semiotik für die Erklärung benötigte.
Neben dem menschlichen Lachen und dem Wissen der Sterblichkeit jedes einzelnen Menschen, ist ein weiteres Merkmal des Menschen, das ihn von den anderen Tieren unterscheidet, dass er sich für Dinge interessiert, die nicht vorhanden sind und dass er sich über diese auch noch mit anderen unterhält und austauscht.
Die Semiotik befasse sich mit den unendlichen, nicht nur verbalen Möglichkeiten, sich über diese Dinge auszutauschen bzw. zu unterhalten und ebenfalls damit, wie der Mensch die Wahrheit angehe bzw. wie er lüge. Sie ermögliche quasi, sich über Dinge zu unterhalten, die es nicht gibt oder die gerade nicht anwesend sind. Sie erkläre alles.
Eine Möglichkeit bzw. Methode, sich mitzuteilen, ist die Sprache. Diese ist von Region zu Region unterschiedlich, da es wichtig für den Menschen sei, eine Sprache zu schaffen, die der eigenen Umgebung und der Gruppe, in der er sich befindet, entspricht. Auch dieses Phänomen, dass die Menschen nicht alle die gleiche Sprache sprechen, sondern es tausende unterschiedliche Sprachen gibt, unterscheidet den Menschen von den anderen Tieren. Hunde beispielsweise bellen überall auf der Welt gleich.
Es reiche nicht aus, sich nur mit der Theorie der Semiotik an sich zu beschäftigen, sondern man müsse in dem Zusammenhang auch immer die philosophischen Probleme wie die Erkenntnistheorie und die kognitive Wahrnehmung des Menschen, also die Möglichkeit des Gehirns, die Welt wahrzunehmen, bedenken.

Seitdem Eco mit seinem Roman „Der Name der Rose“ derart großen Erfolg hatte, kann er sich kaum noch in öffentliche Räume begeben, ohne von Reportern aufgesucht und mit einem Mikrofon und Fragen zu seiner Meinung belästigt zu werden. Aus diesem Grund hat er sich weitestgehend aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen und trifft sich nur noch mit engen Freunden.
Er sagt, im Alter werde man weise und jetzt, da er in die Jahre gekommen ist, habe er manchmal Angst, alles was er geschrieben hat, sei dummes Zeug.

(Quellen: http://www.youtube.com/watch?v=nHwjZf_tRCE (Sternstunde Philosophie im Schweizer Fernsehen, hochgeladen am 26.10.2009), http://de.wikipedia.org/wiki/Umberto_Eco , http://www.zeit.de/kultur/literatur/2009-12/umberto-eco-liste/seite-1 , http://www.sueddeutsche.de/kultur/umberto-eco-zum-meister-der-raffinesse... , http://www.zeit.de/2011/40/Interview-Umberto-Eco/seite-1 , http://www.sueddeutsche.de/politik/umberto-eco-ueber-den-zusammenhalt-in... , http://www.sueddeutsche.de/politik/umberto-eco-der-niedergang-unseres-la... )
 


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